Wie sinnvoll sind Noten?

Vor genau zwei Wochen  gab es Zeugnisse. Ein Zettel voller Noten, der nicht nur in meinen Augen kaum Aussagekraft hat. In einigen anderen europäischen Ländern wird bereits auf sie verzichtet, während in Deutschland meistens noch an ihnen festgehalten wird. Also stellt sich wohl berechtigterweise die Frage, wie sinnvoll Schulnoten überhaupt sind.

Noten schaffen Vergleichbarkeit, LehrerInnen wird die Bewertung erleichtert, Eltern erhalten durch Notenspiegel einen schnellen Überblick über das Können ihres Kindes im Vergleich zur restlichen Klasse und auch SchülerInnen können ihre Leistung schnell einschätzen. Alles in allem scheint also jeder zu profitieren, aber Vergleich schaffen noch etwas ganz anderes und zwar Druck. Man vergleicht sich meistens massiv mit seinen Mitschülern und ich persönlich bezweifle, dass das auf Dauer so gesund ist. Ich kann nur für mich sprechen, aber mich hat der dauernde Vergleich mit meinen MitschülerInnen mehr belastet als geholfen.

In anderen europäischen Ländern wird schon länger in einem gewissen Rahmen auf Noten verzichtet, zum Beispiel in Finnland, wo erst ab einem Alter von 15 Jahren Noten vergeben werden. Man versucht dort mit modernen Unterrichtskonzepten die SchülerInnen ohne den Druck durch Noten zu motivieren und scheinbar funktioniert dies ziemlich gut. Im internationalen Vergleich ist Finnland bei den Kompetenzen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften laut der Pisa Studie von 2018 jeweils überdurchschnittlich gut aufgestellt (Im Vergleich zu anderen OECD Mitgliedsländern). Auch in einigen deutschen Grundschulen werden in den ersten beiden Klassen keine Noten vergeben, sondern Berichte geschrieben, die auf die Stärken und Schwächen der einzelnen SchülerInnen eingehen.

Oft wird befürchtet, dass solche Berichte mögliche Probleme verschleiern und besonders für die Eltern nicht klar wird, in welchen Bereichen ihre Kinder Probleme haben. Des Weiteren wird oft angeführt, dass Noten den Leistungswillen fördern, schlechte Noten motivieren SchülerInnen es das nächste mal besser zu machen. Das sehe ich jedoch kritisch, denn man kann genauso sagen, dass Noten SchülerInnen demotivieren. Nach ein paar schlechten Noten geben SchülerInnen vielleicht einfach irgendwann auf. Am Ende des Schuljahres steht auf dem Zeugnis lediglich eine Note, man sieht nicht, ob man sich verbessert hat oder ob man einfach nur mit dieser einen Arbeit nicht zurechtkam. Warum sollte ich versuchen mich in einem Fach zu verbessern, wenn ich den Sprung zur besseren Note sowieso nicht schaffen werde.

Keine Befürchtung liest man so oft wie die Gefahr, dass SchülerInnen das Lernen nicht mehr erst nehmen, wenn es scheinbar keine Konsequenzen in Form schlechter Noten gäbe. Für mich stellt sich aber die Frage, ob das die Motivation sein sollte. Es handelt sich hierbei um eine extrinsische Motivation, also eine Motivation, die von außen kommt. Man versucht Belohnungen in Form guter Noten zu erhalten und Strafen in Form schlechter Noten zu verhindern. Besser wäre eine intrinsische Motivation, also das man Dinge lernt, weil sie einen interessieren, dies kann man mit modernen Unterrichtskonzepten erreichen und wie man am Beispiel von Finnland sieht, auch zum großen Teil ohne Noten.

Ich würde mich für eine Abschaffung der Noten aussprechen, jedenfalls in den jüngeren Jahrgängen. Für mich wären Noten ab der achten Klasse beispielsweise eine gute Alternative, um den SchülerInnen die Möglichkeit zu geben zunächst ohne Druck zu lernen. Ich halte es aber für sinnvoll Noten ab einem gewissen Punkt einzuführen, vor allem um die SchülerInnen auf die Leistungsgesellschaft vorzubereiten, aber ob man das schon in der Unterstufe oder der Grundschule machen sollte, finde ich fragwürdig.

Quellen:

https://www.mein-lernen.at/deutsch/aufsatz/eroerterung/pro-und-kontra/13510-eroerterung-schulnoten-pro-und-kontra-argumente

https://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/

https://youtu.be/RlPoOIYmvJ8

Franziska Ewald

Franziska Ewald

Chefredakteurin Ressorts Kultur und Schule

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